JITRO Magazin
Verantwortung teilen
Wer entscheidet, wer wirkt mit und wann braucht es Rücksprache?
Zwischen Hauptamt und Ehrenamt bleiben solche Fragen im Alltag häufig offen.
Fünf konkrete Fragen in diesem Beitrag von Thomas Walter helfen Ihnen, Erwartungen auszusprechen, Zuständigkeiten zu klären und Vereinbarungen zu treffen, die Verantwortung tragbar machen und eine verlässliche Zusammenarbeit ermöglichen.
Verantwortung teilen:
Was zwischen Hauptamt und Ehrenamt geklärt sein muss
Wenn dieselbe Aufgabe unterschiedlich verstanden wird
„Könnten Sie die Organisation übernehmen?“ Eine solche Bitte klingt zunächst eindeutig. Für die eine Person bedeutet sie, einen Vorschlag vorzubereiten. Die andere versteht darunter, alle Entscheidungen selbst zu treffen. Eine dritte geht davon aus, vor jeder Veränderung einbezogen zu werden.
Solche unterschiedlichen Erwartungen können auch bei großem gegenseitigem Vertrauen entstehen. In kirchlichen Teams treffen fachliche Aufgaben, gewählte Ämter, persönliche Verbundenheit und langjähriges Engagement aufeinander. Manche Absprachen sind ausdrücklich getroffen, andere haben sich über Jahre eingespielt.
Wenn Aufgaben wechseln oder neue Menschen dazukommen, lohnt es sich, diese Erwartungen gemeinsam auszusprechen. Eine klare Vereinbarung entlastet die Person, die eine Aufgabe übernimmt, und macht ihre Zusammenarbeit mit anderen verlässlicher.
Fünf Fragen für eine klare Vereinbarung
1. Worum geht es bei der Aufgabe?
Beschreiben Sie, was erreicht werden soll und woran eine gute Erledigung erkennbar wäre. „Den Besuchsdienst koordinieren“ kann vieles umfassen: Kontakte halten, neue Ehrenamtliche einführen, Termine abstimmen oder Schwierigkeiten auffangen. Klären Sie deshalb auch, welche Tätigkeiten außerhalb der Aufgabe liegen.
2. Was darf die verantwortliche Person selbst entscheiden?
Wer eine Aufgabe übernimmt, braucht einen verständlichen Handlungsspielraum. Welche Absprachen kann die Person selbst treffen? Über welche Mittel kann sie verfügen? Wann ist eine Rücksprache erforderlich? Bestehende Zuständigkeiten und kirchliche Vorgaben bilden dabei den Rahmen. Was sich im Team nicht verbindlich klären lässt, muss mit der zuständigen Stelle abgestimmt werden.
3. Wer wird beteiligt und wer informiert?
Unterscheiden Sie zwischen Menschen, die mitentscheiden, solchen, deren Sicht vorab eingeholt wird, und solchen, die das Ergebnis kennen müssen. Diese Unterscheidung hilft, Beteiligung sinnvoll zu gestalten. Benennen Sie möglichst konkret, wann und auf welchem Weg sie stattfindet.
4. Welche Unterstützung und welcher Zeitrahmen stehen zur Verfügung?
Eine Aufgabe muss zu den Möglichkeiten der Person passen. Klären Sie den erwarteten Umfang, erreichbare Ansprechpartner und die Unterstützung durch andere. Bei ehrenamtlichem Engagement gehört auch die Frage dazu, wie lange jemand die Aufgabe übernehmen möchte und wie eine Pause oder Übergabe möglich ist.
5. Was geschieht, wenn es schwierig wird?
Wer hilft bei Überlastung, Unsicherheit oder Meinungsverschiedenheiten? Wann soll ein Problem angesprochen werden? Wer übernimmt bei Abwesenheit? Eine kurze Absprache hierzu erleichtert es, rechtzeitig Unterstützung zu suchen. Rückfragen müssen möglich sein, ohne dass dadurch die gesamte Aufgabenübernahme infrage steht.
Vertrauen und klare Absprachen gehören zusammen
Eine schriftliche Vereinbarung kann knapp sein. Für eine überschaubare Aufgabe reichen häufig wenige Sätze zu Zweck, Entscheidungsrahmen, Unterstützung und Rücksprache. Besprechen Sie diese gemeinsam mit der Person, die die Aufgabe übernimmt. So wird deutlich, ob beide Seiten dasselbe verstehen.
Hilfreich ist auch die Frage: Welche Entscheidung darf künftig tatsächlich bei dieser Person bleiben? Wenn bereits geklärte Entscheidungen regelmäßig erneut geöffnet werden, wird Verantwortung wieder unklar. Umgekehrt sollte die verantwortliche Person vereinbarte Grenzen kennen und Rücksprache halten, wenn sie erreicht sind.
Formale Entscheidungsbefugnisse können unterschiedlich verteilt sein. Für die Zusammenarbeit bleibt entscheidend, dass Erfahrung und Sichtweisen aller Beteiligten ernst genommen werden. Die Bereitschaft, eine Aufgabe zu übernehmen, darf dabei nicht als unbegrenzte Verfügbarkeit verstanden werden.
Ein gedankliches Beispiel aus der Veranstaltungsarbeit
Angenommen, eine Ehrenamtliche übernimmt die Vorbereitung eines Gemeindefestes. Im bisherigen Gespräch blieb offen, ob sie das Programm selbst festlegen darf. Nachdem sie mehrere Zusagen eingeholt hat, möchte ein Gremium noch wesentliche Änderungen vornehmen. Für beide Seiten entsteht zusätzlicher Aufwand.
Eine vorherige Vereinbarung könnte festhalten: Die Ehrenamtliche stellt das Programm innerhalb eines freigegebenen Rahmens zusammen. Bei bestimmten Fragen holt sie vor einer Zusage eine Entscheidung des zuständigen Gremiums ein. Eine benannte hauptamtliche Person unterstützt bei organisatorischen Rückfragen. Ein gemeinsamer Termin dient dazu, den Stand der Vorbereitung und offene Punkte zu besprechen.
Wie dieser Rahmen konkret aussieht, hängt von den örtlichen Zuständigkeiten ab. Die Klärung macht für alle Beteiligten sichtbar, worauf sie sich verlassen können.
Mit einer wiederkehrenden Unklarheit beginnen
Sie müssen dafür nicht sämtliche Rollen Ihrer Organisation neu beschreiben. Wählen Sie eine konkrete Aufgabe, bei der Rückfragen, Doppelarbeit oder Enttäuschungen entstehen. Besprechen Sie die fünf Fragen mit den unmittelbar Beteiligten und halten Sie die Vereinbarung gemeinsam fest.
Prüfen Sie nach einigen Wochen, ob sie trägt. Kann die verantwortliche Person Entscheidungen treffen? Erhält sie die vereinbarte Unterstützung? Wissen die anderen, wann sie einbezogen werden? Passen Sie die Absprache dort an, wo der Alltag etwas anderes verlangt.
So wächst Klarheit an einer konkreten Stelle. Daraus können weitere Vereinbarungen entstehen, die zu Ihrer Organisation und den Menschen darin passen.
Eine Rollenfrage gemeinsam klären
Sie möchten eine konkrete Rollen- oder Entscheidungsfrage zwischen Hauptamt, Ehrenamt oder Gremien bearbeiten? Mit unserem Angebot „Rollen und Verantwortung“ unterstützen wir Sie dabei, Erwartungen, Aufgaben und Entscheidungswege gemeinsam zu klären.